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Pavle Goranovic - Montenegro
Stanka Hrastelj - Slowenien

Ort: Literaturhaus Salzburg

Lesung & Gespräch

Veranstalter: prolit, Leselampe, TRADUKI

Stanka Hrastelj
© Marko Golja

Pavle Goranović - Die schwindende Stadt
Stanka Hrastelj - Anatomie im Zimmer

Einsamkeit, Trauer und Verzweiflung sind Pavle Goranovićs Gedichten bestens vertraut, ebenso die fragilen Momente von Glück und Erfüllung. Der Autor weiß um die Nichtigkeit von Welt und Sprache angesichts des eigenen Todes: Er weiß aber auch um die Kraft, die sich daraus schöpfen lässt, denn «Leiden steht vor jeder Möglichkeit der Verwandlung«. Diesen schwer fassbaren existentiellen Momenten nähern sich die Gedichte über Erinnerungen an die Liebe zu Frauen, an einen Ursprungsmoment in der Jugend oder die alles übersteigende, grundlose Freude auf Reisen. Und sie klagen zugleich über die Abwesenheit des Moments in einer sich zunehmend aus den Augen verlierenden Gesellschaft. »Ihr Menschen, es bringt uns einander näher, dass wir den Augenblick teilen, den wir, mitten im sinnlosen Alltag, im Kosmos verbrachten.«

Pavle Goranović, geboren 1973 in Nikšić, wo er auch heute lebt, studierte Philosophie. Nebst Gedichten verfasst er auch Prosa und Literaturkritiken. Bisher erschienen sieben Gedichtbände: Ornamentik der Nacht (1994), Die Stille lesen (1997), Das Buch der Trugbilder (2002), Wie Bücher riechen (2008), Zinober (2009), Vollmondstadt (2014), Der Name der Sehnsucht (2015). Die Gedichtauswahl für Die schwindende Stadt wurde vom Autor und der Übersetzerin Jelena Dabic getroffen.

 

Die dörfliche Welt in Stanka Hrasteljs Gedichten ist eng, provinziell, familiär und blutig strukturiert. Der Blick auf das Dorf und die Familie jedoch niemals naiv oder denunzierend. Vielmehr zeichnen sich Stanka Hrasteljs Gedichte durch eine außerordentliche Schärfe, Schonungslosigkeit wie auch durch Humor aus. Und nicht selten sind es gerade die stilleren Bilder, die besonders bedrohlich wirken: Eine Frau, die beim Gespräch über Alltäglichkeiten immer schweigend auf ihre Teetasse starrt. Die tiefe Trauer eines Arbeiters, die niemand wahrnehmen will.
Durch die exakte Autopsie der Beziehungen und Mentalitäten vermag Stanka Hrastelj in ihren plastischen Gedichten jene im Dorf- und Familienalltag falsch laufenden Stränge zu berühren, die ansonsten den Blicken meist verborgen bleiben.

Stanka Hrastelj, geb. 1975 in Brežice, lebt als Lyrikerin und Übersetzerin in Krško. Bisher erschienen von ihr die beiden Gedichtbände Nizki toni (Tiefe Töne, 2005), für den sie den Preis für das beste Debüt erhielt, und Gospod, nekaj imamo za vas (Mein Herr, wir haben etwas für Sie, 2009). Mit dem von der Autorin zusammengestellten Band Anatomie im Zimmer werden die Gedichte von Stanka Hrastelj nun erstmals dem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht.

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