Ort: Literaturhaus Salzburg
Lesung & Gespräch
Veranstalter: prolit, Literaturforum Leselampe
Moderation: Werner Michler
Marmor, Quecksilber, Nebel
„Es ist nicht das erste Mal, dass ich mir einbilde, die gesamte Weltgeschichte ließe sich anhand eines einzigen Gegenstandes erzählen.“
In drei Texten, die sich zwischen Essay und Erzählung bewegen, denkt die Autorin auf kluge und präzise Weise über die Stoffe nach, aus denen Welt gemacht ist. Und sie erkundet dabei wie beiläufig auch die Bedingungen des Schreibens selbst.
Es beginnt nicht mit einem weißen Blatt, sondern mit einem weißen Block, einem fast 17 Tonnen schweren Ungetüm aus massivem Marmor. Noch Monate nach der verhängnisvollen Begegnung auf einer Fähre vor der griechischen Insel Thassos lässt dieser Block die Autorin nicht los; die Auseinandersetzung damit führt sie zu Marmorsteinbrüchen, in Bildhauer-Ateliers und in die oft gewalttätige Geschichte der Rohstoffgewinnung und Weltaneignung. Ein Workshop an der Kunsthochschule von Guadalajara wiederum gerät zu einer Performance über Bücher und Schriftkultur. Und schließlich wird die Rekonstruktion der Besteigung eines nebelverhangenen Brockens zum Ausgangspunkt für Überlegungen über das Ungewisse.
Es geht bei Judith Schalansky wie immer um alles: um das Gewicht der Erde, um die Arche Noah, um mexikanisches Wrestling oder um den Nährwert von Meerschweinchen - um Phänomene also, in denen sich die widerspenstige Wirklichkeit spiegelt und vervielfacht. Mit spielerischer Genauigkeit erschafft die Autorin drei poetologische Expeditionen in die Tiefen und Untiefen von Welt.
Judith Schalansky, geboren 1980 in Greifswald, lebt in Berlin als Autorin, Herausgeberin (u.a. der "Naturkunden-Reihe" bei Matthes & Seitz) und Buchgestalterin. Ihre Bücher wurden vielfach übersetzt und ausgezeichnet, zuletzt mit dem Lessing-Preis 2025. „Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist“ erschien im Suhrkamp Verlag.