Ort: Literaturhaus Salzburg
Lesung & Gespräch (russisch/deutsch)
Moderation und Übersetzung: Eva Binder
Veranstalter: prolit
Eisen
1924 betritt Sergej Eisenstein zum ersten Mal einen Schneideraum. In Russland fehlt es an allem: an Drehbüchern, Regisseuren, vor allem aber an Filmmaterial. Stattdessen kauft man im Ausland. Hauptlieferant der Träume in Zelluloid sind Deutschland und die USA, aber diese Filme müssen erst „sowjetisiert“ werden. Eisenstein beherrscht diese höchst anspruchsvolle Kunst bald wie kein Zweiter. Er weiß um die Mittel des Films: Was gezeigt wird, wird geglaubt und damit zur Wahrheit. Er schafft Filme, die als Propaganda gesehen werden können und die zugleich ästhetische Meisterwerke sind.
Gusel Jachinas Romanbiografie über Sergej Eisenstein verbindet ein gründlich recherchiertes Panorama der Sowjetunion, die faszinierende Charakterstudie eines der bedeutendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts und eine tiefgehende Reflexion über das komplexe Verhältnis von Kunst und Macht. Wir präsentieren diesen großen Roman im Wechsel von Lesung, Filmausschnitten und Gespräch. Moderiert wird der Abend von Eva Binder.
Gusel Jachina, geboren 1977 in Kasan (Tatarstan), russische Autorin tatarischer Abstammung, studierte Germanistik und Anglistik und absolvierte die Moskauer Filmhochschule. Ihre Romane (u.a. „Wolgakinder“) sind vielfach übersetzt. Gusel Jachina lebt derzeit in Kasachstan. „Eisen“ ist in der Übersetzung von Helmut Ettinger im Kanon Verlag erschienen.