Ort: Literaturhaus Salzburg
Lesung & Gespräch
Veranstalter: prolit, Literaturforum Leselampe
Moderation: Petra Nagenkögel
Eintritt: 12/10/8
Zeit der Mutigen
„In dieser Sommernacht war Eva Nagel zur Donau gegangen mit der Absicht, sich ins Wasser zu werfen, aber stattdessen warf sie ich in die Arme des Infanterieleutnants Alois Kozusnik.“
Dieser Satz steht am Beginn eines über 1000 Seiten langen Epos, das Figuren ins Blickfeld bringt, die in der Geschichtsschreibung zu den Vergessenen gehören. „Zeit der Mutigen“, soeben mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet, folgt den weit verzweigten, zugleich miteinander verbundenen Geschichten dreier Familien quer durch Mitteleuropa und quer durch das 20. Jahrhundert, durch zwei Weltkriege, Faschismus, Stalinismus.
Den Erfahrungen politischer Gewalt und Repression setzen die Heldinnen und Helden dieses Romans ihre je eigenen Strategien des Überlebens und Widerstehens entgegen – die Frage, was einen Menschen zum Menschen macht, was ihn im moralischen Sinn aufrecht und am Leben bleiben lässt, durchzieht das gesamte Buch: „Das Gute ist an keine Zeit gebunden.“
Dimitré Dinevs opulenter, hoch vitaler Roman mäandert durch die Zeit wie die Donau, deren Verläufen er folgt. Er erzählt von ersten und letzten Dingen, vom Kleinen und vom Großen, von Grobheit und Zartheit, von Menschen, Tieren und Natur, von Leben und Lieben. Und von der Notwendigkeit des Erzählens selbst - als Möglichkeit, das Nichtfassbare der Welt zu erfassen.
Dimitré Dinev, geboren 1968 in Plovdiv (Bulgarien), lebt seit 1990 in Wien. Er schreibt auf Deutsch, veröffentlichte Drehbücher, Essays, Erzählungen und Theaterstücke (u.a. am Burgtheater aufgeführt) und seinen ersten Roman „Engelszungen“, mit dem er europaweit bekannt wurde. „Zeit der Mutigen“ ist im Verlag Kein & Aber erschienen.